GESTOSE = Präeklampsie

Gestose
heißt "gestörte Schwangerschaft". Der Oberbegriff heißt heute "Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen".

Auf unseren Seiten geht es um die sog. "Spätgestosen" mit Blutdruckerhöhungen, Eiweißausscheidungen, Wassereinlagerungen, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen. Information zu den sog. "Frühgestosen", zu denen übermäßiges Erbrechen "Hyperemesis gravidarum" und übermäßige Speichelbildung "Hypersaliva gravidarum" zählt, finden Sie hier nicht, sie sind nicht unser Thema.

Es gibt viele Begriffe, die hierfür im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte gebraucht wurden. Die vermutlich ältesten sind

Schwangerschaftsvergiftung, Schwangerschaftsleber und Schwangerschaftsniere.
In den 1970-er Jahren kam der Begriff "EPH-Gestose" auf, wurde dann abgelöst von
"Schwangerschaftsinduziertem Hochdruck" und nun wieder "Präeklampsie".

Die vielen verschiedenen Begriffe machte es schon immer schwierig, diese Erkrankung(en) zu begreifen, ihre Ursache(n) zu erkennen und eine wirkungsvolle Therapie zu finden. In der Regel ist die Behandlung eher auf die Linderung der Symptome ausgerichtet, das ist für viele Betroffene sehr irritierend.


Störungen können bei einem oder mehreren wichtigen Faktoren auftreten:

       Eine multifaktorielle Erkrankung

  • Kreislauf und Stoffwechsel der werdenden Mutter
  • hormonelle Einstellung und Gefäßweitstellung bei der Mutter und in den Plazentagefäßen
  • unbeeinträchtigte Einnistung und Ausbildung der Plazenta
  • ungestörte Funktion der Plazenta bis zum Abschluss der Geburt
  • Bildung und Aufrechterhaltung einer größeren Blutmenge
  • ordnungsgemäße Blutbildung und Blutgerinnung


Früher oder später haben diese Faktoren Einfluss auf den normalen Schwangerschaftsverlauf und machen oft eine vorzeitige Geburt des Babys notwendig. Überwiegend werden dann eilige oder gar Not-Kaiserschnitte nötig.

Die Schwere der Komplikationen ist nicht unbedingt vom Schwangerschaftszeitpunkt abhängig, jedoch verlaufen die frühen Fälle - very early onset preeclampsia - oft besonders schnell und schwerwiegend. Auf jeden Fall ist eine engmaschige Überwachung durch den niedergelassenen Frauenarzt/ärztin und ggf. in der Klinik notwendig.


Etwa 5 - 8 % aller Schwangerschaften sind von diesen Komplikationen betroffen:

Präeklampsie

- erstmalige Blutdruckerhöhungen nach der 20. SSW., mehrfach über 140/90 oder einmalig über 160/100,
- zusammen mit Eiweißausscheidungen über 0,3 g im 24-Stunden-Urin.

Schwangerschaftsinduzierter Hochdruck

- erstmalige Blutdruckerhöhungen ebenfalls nach der 20. SSW. , ohne Eiweißausscheidungen.

Propfgestose

- weiterer Blutdruckanstieg in der Schwangerschaft bei Frauen, die unter chronischem Bluthochdruck leiden,
- auch mit Eiweißausscheidungen oder weiteren Symptomen (s.o.).

Eklampsie

- Epilepsie-ähnliche Anfälle, die mit Bewusstseinsstörungen und Krämpfen auftreten
- kommen heute immer seltener vor, weniger als 1 x bei ca. 2.500 - 3000 Schwangerschaften.


Plazentainsuffizienz

- Die Plazenta (Mutterkuchen) ist in ihrer Funktion gestört. Dies kann die Versorgung des Babys mehr oder minder stark beeinflussen.

Multifaktoriell

Oft gibt es keine einzelne Ursachen für diese Erkrankung und sie wird z.B. nicht durch Bakterien oder Viren ausgelöst. Es gibt jedoch viele Hinweise darauf, dass die klassische Gestose mit den Symptomen Wassereinlagerungen in den Beinen und Händen (Ödeme), erhöhtem Blutdruck und Eiweiß im Urin durch akuten Nährstoffmangel entsteht. Dieser kann auch durch Verwertungsstörungen einzelner Nährstoffe ausgelöst werden, oft sogar genetisch bedingt.

Gestosen sind zu ca. 30 % verantwortlich für Frühgeburten. Unser Ziel ist, eine zu frühe Entbindung so weit wie möglich zu verhindern. Manchmal muss aber trotzdem - im Interesse von Mutter und Baby - die Geburt vor dem Termin stattfinden.


Ernährungseinflüsse

Eine gute, ausgewogene Ernährung mit eiweißreicher, kalorienreicher und keineswegs salzarmer Kost hat einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft und hilft, das Auftreten einer Gestose in vielen Fällen zu verhindern oder zu lindern. Selbst schon bestehende Beschwerden, vor allem Ödeme, können erheblich verringert werden.

Die bisher übliche Behandlung mit Reis-/Obsttagen, salzarmer und flüssigkeitsreduzierter Kost sollte von jeder werdenden Mutter strikt abgelehnt werden, da sie nicht hilft und die Erkrankung sogar noch verschlimmern kann. Entwässerungsmittel dürfen schon seit 1986 nicht mehr eingesetzt werden, auch pflanzliche Varianten, wie zum Beispiel Brennnesseltee usw., sollten nicht benutzt werden!

In unserem Taschenbuch "Präeklampsie und HELLP-Syndrom" und weiteren Broschüren finden Sie hierzu ausführliche Hintergrundinformation. Darin finden Sie ausführliche Details über diese Erkrankung und was SIE SELBST tun können, um Risiken und Auswirkungen zu lindern oder zu vermeiden:
Hinweise zur Vorbeugung oder Tipps über zusätzliche Vitamingaben (vor allem Folsäure, Vit. B6 und B12, Vit. D3), Salzgaben, eiweißreiche Kost, L-Arginin, ggf. Aspirin, Heparin und viele weitere Aspekte. Mehr dazu im Shop oder im Passwort-geschützten-Bereich.

- Leseprobe "Präeklampsie und HELLP-Syndrom"  (PDF 1,0 MB)
- Leseprobe "Ernährung und Salz in der Schwangerschaft"  (PDF 237 kB)
- Leseprobe "Immunologische und thrombophile Ursachen"  (PDF 238 kB)


Testmöglichkeiten

Mittlerweile gibt es einige Tests auf dem Markt, damit kann man das Risiko für das Auftreten einer Präeklampsie bemessen.
Frühe Tests (Screening genannt), die über die Fetal Medicine Foundation (FMF) angeboten werden, beinhalten auch frühe Doppler-Untersuchungen sowie die Vorgeschichte der Schwangeren. Wenn bereits vorher eine Präeklamsie aufgetreten war, errechnet das zur Hilfe genommen Computerprogramm ein höheres Risiko. Das Ergebnis wird dann lauten: Empfehlung Einnahme ASS100 bzw. 150 mg so bald wie möglich zu starten. Dieser Test ist vor allem für Erstschwangere sinnvoll, wenn bereits Präeklampsien in der Familie (auch der des Kindsvaters) aufgetreten sind.

Der zweite genannte Test zur Bestimmung der Ratio aus s-flt1 und PlGF (soluble fms-like tyrosine kinase und Placental Growth Factor) wird zu einem späteren Zeitpunkt zur Diagnosesicherung und ggf. Planung von Therapie und bestmöglichem Entbindungszeitpunkt genutzt. Das ist im bereits eingetretenen Erkrankungsfall sinnvoll. Eine Europa-weite Studie dazu wurde im Januar 2016 veröffentlicht und zeigt recht zuverlässige Vorhersage-Ergebnisse.

Ähnlich wie bei allen anderen Methoden zur Pränataldiagnostik bleibt es eine individuelle Entscheidung. Wir helfen gerne bei der Interpretation von Testergebnissen.



Zuletzt geändert am 20.04.2017 15:22 Uhr